Stand: 2026
Die Frage, ob sich eine Wohnmobilvermietung lohnt, hören wir fast täglich. Die ehrliche Antwort lautet: Es kommt darauf an, und zwar vor allem auf drei Zahlen: Anschaffungskosten, Miettage pro Jahr und durchschnittlicher Tagespreis. Dieser Artikel rechnet ein Beispiel mit einem und mit drei Fahrzeugen vollständig durch, zeigt den Break-even und nennt die Risiken, die in vielen Rechnungen fehlen.
Alle Zahlen sind Beispielwerte für den deutschen Markt. Setzen Sie Ihre eigenen Angebote und Preise ein, bevor Sie eine Entscheidung treffen, und sprechen Sie mit Ihrer Steuerberatung. Weitere Artikel zum Thema finden Sie im Themenbereich Wachstum.
Die drei Zahlen, die alles entscheiden
Anschaffung: Ein neues teilintegriertes Wohnmobil kostet je nach Ausstattung oft 65.000 bis 90.000 Euro, ein ausgebauter Kastenwagen 55.000 bis 75.000 Euro. Gebrauchte Fahrzeuge sind günstiger, aber wartungsintensiver.
Miettage: Realistisch sind im ersten Jahr 80 bis 110 Miettage, bei etablierten Vermietern 110 bis 150. Die Hauptsaison von Juni bis August ist schnell voll, entscheidend sind Frühjahr und Herbst.
Tagespreis: Je nach Saison, Fahrzeug und Region zwischen 80 Euro in der Nebensaison und 180 Euro in der Hauptsaison. Der gewichtete Durchschnitt liegt bei vielen Vermietern zwischen 110 und 140 Euro.
Beispielrechnung: ein Fahrzeug
Annahmen: neuer Kastenwagen für 68.000 Euro, Finanzierung über fünf Jahre, Restwert nach fünf Jahren 38.000 Euro, 120 Miettage zu durchschnittlich 125 Euro.
Fixkosten pro Jahr
| Position | Betrag |
|---|---|
| Wertverlust (68.000 € − 38.000 €) / 5 Jahre | 6.000 € |
| Zinsen (ca. 5 % auf durchschnittlich 50.000 €) | 2.500 € |
| Selbstfahrervermietversicherung | 2.300 € |
| Kfz-Steuer | 350 € |
| Wartung, Reparaturen, Reifen | 1.600 € |
| Stellplatz | 900 € |
| Software, Website, Marketing | 1.200 € |
| Fixkosten gesamt | 14.850 € |
Variable Kosten pro Miete
Bei durchschnittlich acht Tagen pro Miete sind das 15 Mieten pro Jahr.
| Position pro Miete | Betrag |
|---|---|
| Reinigung (Material und Zeit) | 60 € |
| Verschleiß, Gas, Kleinteile | 40 € |
| Zahlungsgebühren (ca. 2 % auf 1.000 €) | 20 € |
| Variable Kosten pro Miete | 120 € |
| Variable Kosten pro Jahr (15 Mieten) | 1.800 € |
Ergebnis
| Position | Betrag |
|---|---|
| Umsatz (120 Tage × 125 €) | 15.000 € |
| Extras (Endreinigung, Fahrradträger, Bettwäsche, 15 × 80 €) | 1.200 € |
| Servicepauschale (15 × 90 €) | 1.350 € |
| Gesamtumsatz | 17.550 € |
| Fixkosten | −14.850 € |
| Variable Kosten | −1.800 € |
| Ergebnis vor Steuern und eigener Arbeitszeit | 900 € |
Das Ergebnis wirkt ernüchternd. Doch es enthält bereits den vollen Wertverlust; der Restwert von 38.000 Euro fließt Ihnen beim Verkauf zu. Außerdem steigt das Ergebnis mit jedem zusätzlichen Miettag deutlich, weil die Fixkosten bereits gedeckt sind.
Der Break-even
Wie viele Miettage brauchen Sie, damit alle Kosten gedeckt sind? Pro Miettag bringen Sie im Beispiel 125 Euro Miete plus rund 21 Euro aus Extras und Servicepauschale, abzüglich 15 Euro variabler Kosten. Das sind etwa 131 Euro Deckungsbeitrag pro Tag.
Break-even = Fixkosten / Deckungsbeitrag pro Tag = 14.850 € / 131 € ≈ 113 Miettage
| Miettage | Ergebnis |
|---|---|
| 90 | −3.060 € |
| 113 | ± 0 € |
| 130 | +2.180 € |
| 150 | +4.800 € |
Jeder Miettag über dem Break-even bringt rund 131 Euro Gewinn. Deshalb ist die Auslastung in Frühjahr und Herbst so wichtig. Strategien dazu finden Sie im Artikel Wohnmobilvermietung Auslastung erhöhen.
Beispielrechnung: drei Fahrzeuge
Mit drei Fahrzeugen verteilen sich einige Fixkosten wie Software, Website und Marketing auf mehr Miettage, und Sie können Stellplatz und Werkstatt besser verhandeln.
| Position | 1 Fahrzeug | 3 Fahrzeuge |
|---|---|---|
| Fixkosten Fahrzeuge | 13.650 € | 40.950 € |
| Software, Website, Marketing | 1.200 € | 2.400 € |
| Fixkosten gesamt | 14.850 € | 43.350 € |
| Miettage | 120 | 360 |
| Gesamtumsatz | 17.550 € | 52.650 € |
| Variable Kosten | 1.800 € | 5.400 € |
| Ergebnis | 900 € | 3.900 € |
Das Ergebnis pro Fahrzeug steigt von 900 auf 1.300 Euro, weil die gemeinsamen Kosten geteilt werden. Gleichzeitig steigt aber auch der Arbeitsaufwand: 45 statt 15 Übergaben pro Saison.
Neu, gebraucht oder geleast?
Die Art der Anschaffung verändert die Rechnung erheblich. Jede Variante hat Vor- und Nachteile.
| Variante | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Neufahrzeug kaufen | Garantie, wenig Ausfälle, attraktiv für Gäste | hoher Wertverlust in den ersten Jahren, hohe Finanzierung |
| Gebrauchtfahrzeug (3–5 Jahre) | geringerer Wertverlust, niedrigere Rate | mehr Wartung, höheres Ausfallrisiko, weniger Garantie |
| Leasing oder Mietkauf | planbare Rate, wenig Eigenkapital | Kilometerbegrenzung, Vertragsbindung, oft teurer in Summe |
| Rückkaufvereinbarung mit Händler | planbarer Restwert | eingeschränkte Fahrzeugwahl, Auflagen zu Zustand und Laufleistung |
Was passiert bei 20 Prozent weniger Kaufpreis?
Kostet das Fahrzeug 54.400 statt 68.000 Euro und liegt der Restwert nach fünf Jahren bei 32.000 Euro, sinkt der jährliche Wertverlust von 6.000 auf 4.480 Euro, die Zinsen fallen um rund 500 Euro. Der Break-even sinkt damit von 113 auf etwa 98 Miettage. Höhere Wartungskosten fressen davon allerdings einen Teil wieder auf. Rechnen Sie beide Varianten mit konkreten Angeboten durch.
Fünf Stellschrauben für ein besseres Ergebnis
- Preise nach Saison staffeln. Ein um zehn Euro höherer Durchschnittspreis bringt bei 120 Tagen 1.200 Euro mehr. Wie Sie kalkulieren, zeigt der Artikel Wohnmobilvermietung Preise kalkulieren.
- Nebensaison füllen. 15 zusätzliche Miettage im Herbst bringen rund 2.000 Euro.
- Direktbuchungen stärken. Jede Buchung ohne Portal spart 12 bis 20 Prozent Provision.
- Extras anbieten. Endreinigung, Fahrradträger, Bettwäsche, Campingmöbel und Hundepaket erhöhen den Buchungswert ohne Zusatzkosten bei der Anschaffung.
- Zeit sparen. Eine Software, die Verträge, Zahlungen und Protokolle automatisiert, spart pro Buchung 20 bis 30 Minuten.
Risiken, die in vielen Rechnungen fehlen
Schäden über der Selbstbeteiligung. Die Versicherung deckt große Schäden, aber Ausfalltage in der Werkstatt bezahlt niemand. Planen Sie fünf bis zehn Ausfalltage pro Jahr ein.
Wertverlust bei Überangebot. Wenn viele Vermieter gleichzeitig verkaufen, sinken Gebrauchtpreise. Rechnen Sie den Restwert eher vorsichtig.
Saisonabhängigkeit. Ein verregneter Sommer oder eine Krise kann Buchungen kosten. Halten Sie eine Liquiditätsreserve von mindestens drei Monatsraten vor.
Eigene Arbeitszeit. Die Rechnung enthält Ihre Arbeitszeit nicht. Bei 15 Mieten mit je drei Stunden für Übergabe, Rückgabe und Reinigung sind das 45 Stunden pro Fahrzeug und Saison, dazu Kommunikation und Verwaltung.
Rechtliche Anforderungen. Gewerbeanmeldung, Versicherung, Mietvertrag und Datenschutz kosten Zeit und gegebenenfalls Beratung.
Checkliste vor dem Start
- Angebot für Selbstfahrervermietversicherung eingeholt
- Finanzierung und Liquiditätsreserve geplant
- Stellplatz mit Platz für Übergaben gesichert
- Gewerbe angemeldet und steuerliche Fragen geklärt
- Mietvertrag und Mietbedingungen erstellt und geprüft
- Preise nach Saison kalkuliert
- Website mit Online-Buchung eingerichtet
- Ablauf für Übergabe, Rückgabe und Reinigung definiert
- Break-even in Miettagen berechnet
- Plan für die Nebensaison entwickelt
Wie Software die Rechnung verbessert
Software ist kein Kostenfaktor, der die Rechnung verschlechtert, sondern einer der Hebel, um sie zu verbessern. Ein eigenes Buchungs-Widget bringt provisionsfreie Direktbuchungen, Online-Zahlung sichert Anzahlungen, automatische Verträge und Protokolle sparen Zeit.
Unsere Software bietet genau diese Grundlagen, inklusive Flottenkalender mit Tagespreisen und Wartungserinnerungen. Wie Sie Anbieter vergleichen, zeigt der Artikel Die beste Vermietungssoftware für Wohnmobile finden. Unsere Pakete finden Sie auf der Produktseite.
Fazit
Eine Wohnmobilvermietung lohnt sich, wenn Sie den Break-even zuverlässig überschreiten. In unserem Beispiel liegt er bei rund 113 Miettagen; jeder weitere Tag bringt etwa 131 Euro. Wer realistisch kalkuliert, die Nebensaison aktiv vermarktet, Direktbuchungen stärkt und Abläufe digitalisiert, kann mit einem bis drei Fahrzeugen ein solides Zusatzeinkommen aufbauen. Wer dagegen mit 150 Miettagen im ersten Jahr und Hochsaisonpreisen rechnet, wird enttäuscht.
Ein guter Kompromiss für den Start: ein junges Gebrauchtfahrzeug, eine konservative Planung mit 100 Miettagen und ein klarer Plan für Frühjahr und Herbst. Läuft das erste Jahr besser als geplant, ist ein zweites Fahrzeug schnell angeschafft. Rechnen Sie mit Ihren eigenen Zahlen und lesen Sie als Nächstes, wie Sie Ihre Preise kalkulieren.